Geschichte

Funde von Steinwerkzeuge (Silex) im «Grüt», nahe der Kantonsgrenze zum Aargau, zeigen auf, dass das Limmatufer zwischen Dietikon und Wettingen schon vor rund 3'000 Jahren begangen wurde. Noch heute lassen sich im «Grüt» Silex-Splitter finden.

Die Gründung des Dorfes geht auf die Alemannen zurück. Ca. um 700 n. Chr. siedelten die Leute des «Oto» beidseits des Chrebsenbaches und gründeten den Weiler «Otenvilare». Sie dürften sich aus den Familien im Furttal abgespalten haben, ist doch die Namensverwandtschaft zu Otelfingen (Otolf) und Oedlikon (Otilo) offenkundig. Die erste urkundliche Erwähnung des Weilers am Chrebsenbach findet sich im Zinsleuteverzeichnis des Klosters St. Gallen, datiert um ca. 850 n.Chr. herum. Bei der Gründung des Klosters Fahr um 1130 waren einige Oetwiler als Zeugen dabei.

Als Alemannensiedlung dürfte die Dorfanlage bis ins hohe Mittelalter eine recht bescheidene gewesen sein. Einige wenige Höfe umgeben von Gemüse- und Baumgärten umschlossen von einem Grünhag, bildete den Siedlungskern. Die Einwohner waren mehrheitlich in der Landwirtschaft und im Rebbau tätig. Die Bauern hatten in der Herrschaft Baden, zu der Oetwil seit 1410 gehörte, keinerlei politische Rechte, sie galten als Untertanen der Eidgenossen. Das Grundeigentum gehörte mehrheitlich den Klöstern, welche die Höfe den Bauern zum Leben gaben. Die Bauern mussten hierfür Zinsen bezahlen und zudem den 10. Teil der Ernte abliefern, um am kirchlich-religiösen Leben teilnehmen zu können. Im Unterdorf traten die beiden Klöster Wettingen und St. Blasien als Grundeigentümer auf. Wettingen scheint sich dabei grösseren Einfluss verschafft zu haben, wovon der noch vorhandene Zehntenspycher als Relikt aus dieser Zeit zeugt. Im Oberdorf dominierte das Kloster Fahr. Die Vogtei, d.h. die Schirmherrschaft übte von 1432 bis 1798 die Zürcher Ratsfamilie «Meyer von Knonau» aus. Die Vögte residierten zeitweise im «Schlössli» zu Weiningen und erwarben sich grosse Verdienste um den Fortschritt in der Landwirtschaft. Die hohe Gerichtsbarkeit (Blutgericht) übte von 1410 bis 1798 die Eidg. Herrschaft Baden aus, wo sich die alten 8 Orte in der Stellung des Landvogtes abwechselten. Wegen den verschiedenen Grundherren war das Dorf kirchlich geteilt. Ober-Oetwil gehörte zur Pfarrei Weiningen, Unter-Oetwil war der Pfarrei Würenlos bzw. Otelfingen zugeteilt. Bis Mitte des 18. Jh. bestand «im Chirchhöfli» eine kleine Kapelle mit Friedhof, die den Namen «St. Johanneskapelle» trug. Die Kollatur ging erst 1869 von Würenlos an Weiningen über; ab diesem Datum erscheinen auch die Unter-Oetwiler in den Kirchenbüchern von Weiningen. Mit der Kirche war die Schule eng verbunden, erst ab 1853 entstand zusammen mit Geroldswil eine eigenständige Schulgemeinde.

Im Jahr 1634 wohnten 72 Personen in Oetwil, davon waren 30 Erwachsene und 42 Kinder! An Geschlechtern waren vertreten:

  • Im Unterdorf: 7 x Schmid, 2 x Lang, 1 x Brunner
  • Im Oberdorf: 2 x Frey, 1 x Nötzli, 1x Bräm

Zwischen 1650 und 1800 wuchs die Bevölkerung stark an, die Zahl der Einwohner stieg in dieser Zeitperiode von 72 auf 210 Köpfe. Dies führte zu Spannungen in der Ressourcenverteilung und in der Übernahme von erhöhten öffentlichen Aufgaben wie Feuerwehr, Wache, Polizei usf., sodass in den bereits kirchlich getrennten Dorfteilen die Interessen der Familien auseinanderklafften, was zur Gründung von 2 Zivil- (Nutzungs-) Gemeinden in jedem Dorfteil führte.

Mit der Besetzung der Schweiz durch fremde Truppen 1798/99 gerieten auch die beiden Weiler am Chrebsenbach in fremde Kriegsgeschehen. Die bestehenden Hierarchien wurden weggefegt, neue öffentliche Organisationen wie Einwohnergemeinden, Bezirke und Kantone entstanden. Während Ober-Oetwil 1798 zum Kanton Zürich kam, wurde Unter-Oetwil dem neuen Kanton Baden zugeteilt. Bereits 1803 mit der Einführung der Mediationsverfassung kam auch Unter-Oetwil, zusammen mit Hüttikon, Dietikon und Schlieren zum Kanton Zürich.
Es brauchte in der Folge Jahrzehnte, bis sich die öffentliche Ordnung einspielte. Der Dualismus zwischen den beiden Dorfteilen war hartnäckig, erst 1870 wurde auf Druck der Obrigkeit die beiden Zivilgemeinden in die politische Gemeinde Oetwil eingeschlossen. Wirtschaftlich blieb Oetwil bis weit ins 20. Jh. hinein ein reines Bauerndorf. Die Industrialisierung des Limmattals ging an Oetwil vorbei. Die Zahl der Einwohner pendelte zwischen 200 und 250. Noch 1890 verzeichnete der Rebkataster rund 130 Rebbauern, wovon allerdings die Hälfte aus Würenlos, Oedlikon und Dietikon stammten.

Die Jahre nach dem 2. Weltkrieg brachten dem Limmattal einen enormen wirtschaftlichen Aufschwung. Die attraktive Verkehrslage zwischen Zürich und Baden liess die Einwohnerzahl der 17 Limmattalgemeinden (ohne Zürich und Baden) von 40'000 auf 100'000 ansteigen. Auch das kleine abgelegene Oetwil kam in der zweiten Hälfte der 50er Jahre in den Sog des Baubooms. Eine zurückhaltende Bauernschaft und eine rasch in Kraft gesetzte Bauordnung liess das Schlimmste verhüten. Die Behörden waren ausserordentlich gefordert mit der Planung und Bereitstellung der notwendigen Infrastrukturen. Für die übergeordneten Bedürfnisse wie Sicherung des Trinkwassers, die Beseitigung des Abwassers und des Kehrichts, die Schulung der Kinder und die Gesundheitsvorsorge der Bevölkerung war die Zusammenarbeit der Gemeinden mit der Region erforderlich. Heute ist Oetwil in über 15 interkommunalen Organisationen eingebunden.

Für den Bau von Wohnhäusern waren vorerst die ehemaligen Rebgrundstücke gesucht. So entstanden in rascher Folge die Siedlungen im Binzerli/Halde, Sood/Rainli, Bösgrüt, Herb und Rebacker. Später folgten Mehrfamilien-Häuser-Überbauungen im Oberfeld, in den Limmatwiesen und westlich des Dorfes. Die beiden Dorfkerne erfuhren nur zögernd bauliche Erneuerungen. Durch aktives Handeln und mit hohem finanziellen Aufwand konnte die Gemeinde verschiedene Liegenschaften sichern und damit den ehemaligen Gemeinde-Charakter des Dorfkerns bewahren. Während das Zentrum des Unterdorfes mit Gemeindeverwaltung, Gemeindescheune, Werkhaus und dem Dorfplatz im neuen «Chirchhöfli» baulich fertig gestellt ist, zeigt sich im Oberdorf rings um den Dorfplatz neue neben ursprünglicher Bausubstanz. Die Gemeindescheune – auf Initiative der Feuerwehrangehörigen hergerichtet – dient nicht nur der Gemeinde als Versammlungslokal, sondern dient für viele öffentliche und private Veranstaltungen.

Oetwil an der Limmat präsentiert sich heute als moderne Wohngemeinde, mit hohem Wohnwert, intakter Infrastrukturen und attraktivem Steuerfuss. Mit dem Limmatufer, den Limmatauen, dem Wisentäli und den Wäldern am Altberg bietet es den Einwohnern mannigfache Erholungsmöglichkeiten.